Charlie Mariano
Habe heute erfahren, das Charlie Mariano mit 85 Jahren gestorben ist.
Ein wunderbarer, vielfältiger Musiker mit einer gelebten eigenen Stimme und ein feiner, bescheidener Mensch mit einem guten Sinn für Humor (Charlies Antwort auf meine Erwähnung des Akkordes “F sharp major seven nine, sharp eleven” als Improvisationgrundlage: “that’s a long one!”). Ich hatte bei einigen Aufnahmen und einer Reihe von Konzerten die fantastische Gelegenheit, mit ihm zu spielen. Schon das Stimmen des Instruments war bei Charlie pure Musik. Weise, aber niemals alt, hatte er große Freude auch mit jungen Musikern zu arbeiten. Er liebte musikalische Herausforderungen und konnte auch in ungewohnter Umgebung seine Identität einbringen. Bei aller freundlicher Gelassenheit wusste er musikalisch genau, was er wollte und zögerte bisweilen nicht, bestimmte Klangvorstellungen nachdrücklich ein zu fordern. Mit Charlie verbinde ich auch eine bestimmte Haltung zur Musik, die stark mit der Suche nach eigenen Wegen verbunden ist. Gepaart mit einem Sound, der immer in Verbindung zu der großen Tradition des Jazz stand. Charlie Mariano hat viel an feinstem Klang hinterlassen und doch ist es traurig, ihn nicht mehr in dieser Welt spielend zu erleben. Aber vielleicht braucht Mingus in der größten aller Jazzbands doch wieder Charlies “tears of sound”.